
Habe ich mich im Bild verwaehlt? Finde ich das gar schön? Nein. Diese Aufnahme zeigt jedoch etwas Wichtiges. Anamur ist keine zubetonierte Touristenhochburg, sondern ein Ort, in welchem die Menschen massgeblich von der Landwirtschaft leben und wer weiss, vielleicht kommt man sogar nach und nach wieder zum offenen Anbau von Bananen, Erdbeeren usw. zurück. Dieses Bild leitet jedoch ein zu einer kurzen Geschichte:
Vor etwa 4 Jahren reiste ein wichtiger Touroperator, neugierig auf unseren Ort von Alanya nach Anamur. Nach 80 Kilometern kurvenreicher Fahrt mit Panoramablick auf das Meer gab das letzte abfallende Strassenstück endlich die Sicht auf die grosse Ebene von Anamur frei. Angesichts der unschönen Treibhaeuser, welche die Ebene zupflasterten, befahl er dem Chauffeur, anzuhalten. "Hier Tourismus? Niee!!! Umdrehen, wir fahren zurück".
Diese Geschichte gefaellt mir, denn sie wiederholt sich andauernd. Sie bewahrt Anamur vor dem, was wir auf der Anreise von Antalya bis Alanya entlang der Südküste zu sehen kriegen. Anonyme Hotelstaedte. Anamur ist türkisch geblieben und es gibt ein wenig Tourismus, Einfache Hotels und Pensionen mit total etwa 900 Betten. Den Treibhausbesitzern ist es gewissermassen zu verdanken, dass besagter Manager sich schon gar nicht mehr auf den Weg gemacht hat, um etwas zu sehen, wovon gerade İndividualurlauber traeumen: 12 Kilometer öffentlich zugaenglicher Strand. Mal feiner Sandstrand, mal ganz feiner Kieselstrand und Richtung Westen mehr Kieselstrand. Gleichzeitig: Der wichtigste Legestrand von Meeresschildkröten der Gattung Caretta caretta türkeiweit. Hat er nicht gesehen
Hier Bilder, in der Hoffnung, das bleibe auch so:

Moral von der Geschichte: Viele wichtige und schöne Dinge erkennt man erst, wenn man sich wirklich umzuschauen beginnt, der erste Blick kann taeuschen. Und wer wirklich neugierig ist, wird auch nach dreimonatigem Herumstochern in der Antike, in der Natur, in den Höhlen, in der einfachen Kultur, welche sich teilweise von Dorf zu Dorf unterschiedet, oder dem banalen Relaxen am Strand noch laengst nicht alles entdeckt haben, was Anamur und Umgebung zu bieten haben.

Hennabend in einem kleinen Dorf am Vorabend der Hochzeit
Eine für uns Europaer fremde Kultur. Sich da hineinzubegeben, heisst, sich und seine Werte und Vorbehalte mal über Bord zu werfen sich treiben zu lassen, wissend, dass man immer sehr respektvoll als Gast behandelt wird. Türkische Gastfreundschaft ist bis heute eine der Besonderheiten, welche mich auch nach Jahren immer wieder aufs Neue zutiefst beeindruckt. Angst? Hatte ich noch nie, auch nicht inmitten der grössten Dorfhochzeitsballerei.
Aah, und noch was: Den Magen habe ich mir an solchen Dorfessen auch noch nie verdorben...
