Auf in den Sommersitz !

Geschichten und Berichte aus der Türkei, welche ausserhalb der Region Taşeli stattfinden.

Auf in den Sommersitz !

MesajAuthor: walteranamur » 2. Tem 2010, 19:33

Die Schulen sind bis September geschlossen, die Prüfungen wurden ebenfalls absolviert, nun wartet man noch auf die Resultate, welche oft auch einen einschneidenden Ortswechsel für die jungemn Schülerinnen und Schüler zur Folge haben können. Das will organisiert sein.

Wer sich nicht mit solchen Fragen herumschlagen muss, trifft nun die Vorbereitungen, für die kommenden Wochen das "Berghaus" zu beziehen, man geht in die Yayla. Waehrend junge Leute eher das Vergnügen am Strande suchen, so sind es vor allem die Aelteren, welche bis zu vier Monaten irgendwo in den Bergen verbringen. Wie kommt das? Wie können sie sich das leisten, sind sie so wohlhabend?

Um das zu verstehen, muss man etwas in die Vergangenheit zurückschauen. Noch vor 50 Jahren waren die Küstengebiete im Süden der Türke, relativ schwach besiedelt. Die Ebenen waren noch nicht melioriert, was Unmengen von Mücken und Moskitos zur Folge hatte und in den Sumpfgebieten, welche jaehrlich neu überschwemmt wurden, liess sich eh nichts Gescheites anbauen. Erst die Kanalisierung der Flüsse führte dazu, dass sich der Anteil der bebaubaren Flaeche langsam erhöhte. Wer jedoch genau hinschaut, findet bis heute in Gebieten, welche kilometerweit vom Meer entfernt liegen Reste von Schilfgürteln, vor allem aber Froschgequake in Hülle und Fülle, Überreste des ehemaligen Sumpfes.

Die Leute lebten also in ihren Dörfern und siedelten erst in den letzten 50 Jahren langsam an die Küste. Die Dörfer wiederum waren im Winter voll bewohnt, da konnte man Getreide, Früchte, Gemüse anbauen. Mit Beginn des Sommers hatte diese Herrlichkeit jedoch mangels genügend Wasser ein Ende. So zogen ganze Dörfer in Gebirge des Taurus, wo sie den Sommer mit Vieh und Hab und Gut in einfachen Haeusern, teilweise in Höhlen usw. verbrachten. Heute sind viele dieser Dörfer "modernisiert. Einzelne verbringen "nur" Urlaub, an den meisten Orten wird jedoch weiterhin gepflanzt und geerntet.

Resim


İnteressant dabei ist, dass jedes Dorf an der Südküste"seine" Yayla hat. Für "Anamurlus" (welche eigentlich Dörfler sind) ist die Kaşyaylası, Abanoz und teilweise Demiroluk (alle auf der Strecke nach Ermenek). Die Leute aus Ören und dem Dorf Kızılaliler ziehen in die Kaşyayla, die Dörfler von Çataloluk leben auf der Tamtır Yaylası, welche noch ein gutes Stück hinter der Kaşyayla auf rund 2000 Metern Höhe liegt. Mit grossen Camions werden Vieh und das notwendige İnventar zum Leben raufgefahren und anfangs September kehren sie dann wieder zurück. Die Bewirtschaftung dieser Almen ist gewissermassen ein Recht, welches in der Familie übertragen und keinesfalls an "Auswaertige" übertragen wird..

Resim


İn den letzten Jahren hat Urlaub auf der Yayla gerade für Türken aus den Staedten wieder mehr Gewicht bekommen. Die Dörfer ihrerseits tragen dazu bei, indem immer haeufiger Festivals und gr-osse Picknicks mit Musik und Festwirtschaft in der Yayla organisiert werden. Über das reichhaltiger Angebot kann man sich im Veranstaltungskalender einen Überblick verschaffen.

Resim


Wer gerne Wochenmaerkte besucht, soll mal im Sommer morgens früh ab 5 Uhr in eine Ecke sitzen und zuschauen, wie Kleinbusse, Traktoren usw. aus eben diesen Dörfern eintreffen und das anliefern, was wir Stunden spaeter dann einkaufen werden.
Taşeli

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